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Die Stadt Bremen zur Zeit der Hanse

Untersuchung der Wohn- und Lebensverhältnisse in einer Hansestadt

Einleitung:

Die Geschichte der Stadt Bremen ist, ebenso wie ihre Baugeschichte, bewegt und vielseitig. So ist beispielsweise das städtebauliche Ensemble aus Rathaus, Dom, Schütting und Roland als UNESCO-Weltkulturerbe mit einem besonderen Schutz-Statuts belegt. Das Städtebündnis der Hanse nimmt dabei in der Geschichte Bremens eine wichtige Rolle ein.
Wenig dokumentiert sind die Lebensumstände im Bremen der Hansezeit und inwiefern diese mit der gebauten Umwelt zusammenhangen. Im Folgenden wird man also zu den städte-baulichen, architektonischen sowie sozial- und gesellschafts-historischen Gegebenheiten in der Stadt Bremen zur Zeit der Hanse mehr erfahren können.

Historischer Stadtplan aus dem frühen 17. Jahrhundert

Gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen:

Die Stadt wurde ab 1315 von einem Rat regiert, der als Folge des Erhalts der Stadtrechte 1303 eingesetzt wurde: er blieb während der Hansezeit stets das politische Organ Bremens. Laut der Verfassung konnte jeder freie Bürger in den Rat einziehen, in der Regel rekrutierten sich die Mitglieder allerdings aus der städtischen Oberschicht. Die Ratherren kamen zu gleichen Teilen aus den vier Bremer Kirchspielen (St. Martini, St. Stephani, St. Ansgarii und Unser Lieben Frauen. Das Baurecht war in den sog. "Kundigen Rullen", den Gesetzesblättern der damaligen Zeit, festgehalten Trotz Stadtrechten war Bremen sowohl im Inneren als auch im Äußeren von stetigen Unruhen geplagt (vgl. vertiefend Schwarzwälder 1995).
Der Glauben war ein weiterer wichtiger Faktor im städtischen Leben zur Zeit der Hanse, neben den religiösen Funktionen erfüllte sie in Bremen spätestens ab ca. 1500 karitative Zwecke.
Die Gesellschaft war, abstrahiert, in drei Schichten unterteilt: Die Oberschicht aus Ratsherren und Kaufleuten, die bürgerliche Mittelschicht aus Handwerken und weniger wohlhabenden Kaufleuten und zuletzt die Unterschicht aus Gesellen, Tagelöhnern usw.

Weltkulturerbe Bremer Rathaus

Die Hanse - Handels- und Städtebündnis:

Die Geschichte des Städtebündnisses reicht zurück bis ins 12. Jahrhundert, als deutsche Schiffe, vor allem aus Bremen und Köln, immer mehr Bedeutung im Nordseehandel gewannen. Durch die Gründung (1158) und den starken Wachstum Lübecks in den Folgejahren wuchs auch die deutsche Bedeutung im Ostseeraum.
Bereits 1230 wurde eine Gesellschaft zwischen deutschen Handelsstädten gegründet, die in die 1266 erstmal erwähnte Hanse mündete. Bald wurden Kontore auch außerhalb Deutschlands gegründet und die Hanse dehnte ihre Macht aus: im 15. Jahrhundert konnte sie als Großmach in Europa gesehen werden. Ab Mitte der 16. Jahrhunderts bis zum dreißigjährigen Krieg (1618-1648) büßte die Hanse immer mehr Privilegien ein und zerfiel schließlich.

Wichtige Handelsrouten der Hanse in Nord- und Ostsee

Die Mitgliedschaft Bremens in der Hanse:

Die Bremer Mitgliedschaft war stets konfliktreich, da man bei eigenem Vorteil nicht scheute gegen die Politik der Hanse zu agieren. So wurde Bremen (als ein Gründungsmitglied) dreimal aus der Hanse ausgeschlossen. Zum ersten Hansetag (1356) erschien Bremen nicht, da zu dieser Zeit mit Vorliebe Schiffe in der Wesermündung gekapert wurden, darunter auch solche der Hanse. Vor allem aus Hamburg wurden Rufe nach einem Krieg gegen Bremen laut. Lübeck vermittelte und Bremen wurde 1358 wieder ins Bündnis aufgenommen und wurde nach Lübeck und Köln wichtigstes Mitglied. Weitere Unterbrechungen folgten (vgl. hierzu vertiefend Schwarzwälder 1995).

Hansekogge "Ubena von Bremen" im Hamburger Hafen

Entwicklung des Wohnungsbaus zu Bremen:

Bis ins hohe Mittelalter waren die, an niedersächsischen Bauernhäusern angelehnten, Bürgerhäuser Bremens freistehend und aus Holz gebaut. Als das Bauland im späten Mittelalter teurer wurde rückten die Häuser enger zusammen, die Stallungen wichen einer großen Diele, die das Herdfeuer enthielt und wichtigster Aufenthalts- und Arbeitsraum war.
Die Fachwerkbauweise in Zusammenhang mit dem weiterhin offenen Herdfeuer erzeugte eine erhebliche Brandgefahr, so dass Steinhäuser durch Subventionen gefördert wurden. Die Häuser wurden in Bremen nahezu ausschließlich giebelständig errichtet. Im 15. und 16. Jahrhundert begannen die Fassaden aufwändiger gestaltet zu werden (im 16. Jahrhundert vor allem durch die sakral anmutende norddeutsche Backsteingotik), da sie den Stand der Bewohner repräsentierte. Zu dieser Zeit wurde auch Glasfenster immer häufiger.

Kleinbürgerliches Wohnhaus aus dem 17. Jahrhundert

Die Wohnung, das Haus:

Die Oberschicht lebte, abgesehen von den sanitären Anlagen, vergleichsweise angenehm. Die Häuser wurden zumeist nur von einer Familie und ihren Bediensteten, die im den oberen Geschossen unter dem Lager schliefen, bewohnt. Die Familie selbst wohnte im Erdgeschoss, da diese als einzige beheizt waren.
Die Mittelschicht lebte zumeist in mit Lehm ausgefüllten Fachwerkhäusern, die deutlich einfacher gestaltet waren. Wohn- und Arbeitsbereich waren nicht voneinander getrennt und Vieh im Haus war keine Seltenheit. Der Lebensstandard der Handwerker war dementsprechend sehr bescheiden und beengt.
Die Unterschicht wohnte zumeist zur Miete in äußerst beengten und ungesunden Verhältnissen. Die Behausungen, Buden genannt, bestanden zumeist nur aus einem Raum von 20 bis maximal 40 m². Noch ärmere Leute hausten in Kellern oder überdachten Gängen oder waren gänzlich obdachlos.

Gotisches Kaufmannshaus an der Langenstraße

Die Wohnumgebung:

Die Viertel Bremen besaßen, je nach sozialer Schichtung, ein differenziertes Erscheinungsbild. Der öffentliche Raum, in dem sich ein Großteil des städtischen Lebens abspielte, war je nach Viertel großzügig und gepflastert oder eng und verdreckt (diese Situation blieb in ärmlichen Vierteln bis ins 17. Jahrhundert bestehen). Die Buden der Armen befanden sich häufig in den Hinterhöfen der Reichen, die immer weiter verdichtet wurden (siehe nebenstehende Abb.).
Abfälle und Abwasser wurden in die Straßen oder die Weser gekippt, wenn sie nicht außerhalb der Stadtmauern entsorgt wurden. Zu Wasserversorgung dienten im Spätmittelalter sog. Wasserkünste, die das Flusswasser der Weser schöpften und über Rohre durch ein leichtes Gefälle in die reichen Bürgerhäuser geleitet wurden. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts versorgte das Bremer Wasserrad etwa 250 Gebäude über ein Leitungssystem. In den engen Hinterhöfen befanden sich Brunnen häufig in der Nähe von Abortanlagen, was die hygienischen Verhältnisse extrem zuspitzte.

Verdichtung eines Baublocks - Beispiel aus Lübeck

Einfluss der Wohnverhältnisse auf das städtische Leben:

Das Leben der Oberschicht wurde im Laufe der Hansezeit vor allem durch Neuerungen in der technischen Infrastruktur immer komfortabler. Die großzügigen Grundrisse der Häuser trugen darüber hinaus positiv auf zum Lebensstandard bei. Die Nutzungen Arbeiten und Wohnen befanden sich stets unter einem Dach, wirkten sich allerdings nicht negativ aus.
Die sonstigen freien Bürger lebten in den untergeordneten Gassen nach Zünften (in Bremen Ämter) getrennt. Das Konfliktpotenzial wurde durch die beengten Verhältnisse im Innen- und Außenraum gesteigert, die hygienischen Verhältnisse verschlechtert.
Im Stephani- und Schnoor-Viertel lebten die Armen fast unter sich, das war allerdings eher die Ausnahme. Viele lebten in Buden und Kellern in rückwärtiger Lage, aber dennoch im Zentrum der Stadt. Epidemien konnten sich in diesen Verhältnissen rasend schnell ausbreiten, zumal die Menschen unbedacht miteinander umgingen. Nur Kranken und Bettlern ging es noch schlechter.

Funtionsverteilung im Händlerhaus des 16.-19. Jahrhundert

Fazit:

Städte waren als Lebensraum zur Zeit der Hanse, trotz der bescheidenen Lebensumstände, sehr beliebt, da es hier keine Leibeigenschaft mehr gab und sie, wie auch Bremen, wirtschaftliche Kraft ausstrahlten („Stadtluft macht frei!“). Bremen galt unter den eigenen Bürgern in der Frühphase der Hanse als freiste Stadt der Welt, weshalb trotz verheerender Seuchen die Einwohnerzahl gleich blieb. Auch unter Auswärtigen wurde Bremen immer wieder positiv gewertet, was jedoch nicht über die größtenteils sehr beengten Verhältnisse hinweg täuschen sollte. Dennoch war die Gesellschaft nicht völlig starr, wie die damalige Ständegesellschaft außerhalb der Stadtmauern, sondern bis zu einem gewissen Grad durchaus durchlässig.

Die Bremer Stadtwaage in der Langenstraße

Abbildungsnachweis:

  1. Schwarzwälder, Herbert: Geschichte der Freien Hansestadt Bremen – Band I – Von den Anfängen bis zur Franzosenzeit (1810), erschienen in Bremen, 1995: S. 272
  2. Eigenes Foto: Bremen 11/2008
  3. Eigene Darstellung nach http://www.lsg.musin.de/gesch/ Material/ karten/karte-index.htm, abgerfuen am 02.04.2007
  4. Eigenes Foto: Hamburg 05/2007
  5. Stein, Rudolf: Romanische, gotische und Renaissance-Baukunst in Bremen – erhaltene und verlorene Baudenkmäler als Kultur- und Geschichtsdokumente, erschienen in Bremen, 1962: S. 441
  6. Kloos, Werner: Das alte Bremen, erschienen in Bremen, 1978: S. 57
  7. Stein, Rudolf: Romanische, gotische und Renaissance-Baukunst in Bremen – erhaltene und verlorene Baudenkmäler als Kultur- und Geschichtsdokumente, erschienen in Bremen, 1962: S. 373, mit eigenen Darstellungen
  8. Dirlmeier, Ulf / Schmitz, Fritz: Geschichte des Wohnens im Spätmittelalter; in Dirlmeier, Ulf (Hrsg.): Geschichte des Wohnens (Band 2) – 500-1800 Hausen, Wohnen, Residieren, erschienen in Stuttgart, 1998: S. 280
  9. Eigenes Foto: Bremen 02/2007

von Jens Bossen

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