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Planungsdiskurs / Hamburg:
IKEA auf dem Weg nach Altona

Worum es geht: IKEA-Deutschland hat Mitte des Jahres das Frappant-Gebäude an der Großen Bergstraße in Hamburg-Altona gekauft. Das ehemalige Bezirkszentrum leidet seit längerem an Leerständen, Kundenmangel und Attratkivitätsverlusten. Das Frappant-Gebäude aus den 70er-Jahren ist einer dieser Leerstände, der die Attraktivität des Standortes enorm belastet.
Planungsstand: Nun will IKEA das Gebäude abreißen und einen Neubau realisieren: ein siebenstöckiges Möbelhaus mit dem vollen Sortiment des schwedischen Möbelriesen. Eine Verkaufsfäche von insgesamt 25.000 m² soll in den sieben Geschossen entstehen. Das Bauvolumen ist gigantisch und hebt sich deutlich von der umliegenden Bebauung ab, obwohl das Quartier bereits hochverdichtet ist (Modellfoto des Vorhabens auf abendblatt.de). Darüber ist inzwischen ein handfester Streit im Bezirk entstanden und ein Bürgerbegehren will das Vorhaben verhindern, während ein weiteres Bürgerbegehren Unterschriften für das Vorhaben sammelt. Derzeit ist ein Bürgerentscheid im januar wahrscheinlich (siehe Artikel im auf abendblatt.de).
Pros und Kontras: Aus planerischer Sicht ist ein solches Vorhaben äußerst differenziert zu betrachten, da sich sowohl Vorteile aber auch teils gravierende Nachteile bei dem Versuch zeigen nicht zentrenrelevante Sortimente in zentraler Lage zu schaffen.

  • Pro
    1. Deutliche Steigerung der Kundenfrequenz am problematischen Standort
    2. Innen- vor Außenentwicklung ist zu befürworten
    3. Erreichbarkeit für immobile Personen gegeben
    4. Langfristige Aufwertung des Bezirksentrums wahrscheinlich
    5. Erweiterung des Kundeneinzugsbereichs des Gesamtstandorts
  • Kontra
    1. Enorme Steigerung der PKW- und LKW-Verkehre in einem verdichteten Wohnumfeld
    2. Abdeckung vieler zentrenrelevanten Sortimente und somit tw. Abzug von Kundschaft umliegender Geschäftslagen möglich
    3. Umliegende Gastronomie bekommt unschlagbare Billig-Konkurrenz
    4. Unverhältnismäßiges Bauvolumen

Bewertung der Lage: Der IKEA wird wohl kommen. Allerdings ist aus stadtentwicklungspolitischer und stadtgestalterischer Sicht Vorsicht geboten. Die Kontra-Argumente wiegen zum Teil schwer. Andererseits muss man wiederum sagen, dass die Integration von Möbelhäusern an innerstädtischen Standorten auch an anderer Stelle funktioniert hat (siehe bspw. den Beitrag zu Wien auf den Stadtwelten). Eine Ansiedlung ist nach Meinung des Autors vertretbar, wenn 1. die Gestaltung der Fassaden eng mit dem Bezirk abgestimmt und nicht in knallig gelb-blau ausgeführt wird; 2. die Verringerung der Gesamtverkaufsfläche akzeptiert wird; 3. Die Möbel- zugunsten der Randsortimente eingeschränkt werden um PKW-Verkehre zu vermindern; 4. ein schlüssiges Verkehrskonzept vorgelegt wird und 5. Die Gestaltung und Pflege der angrenzenden öffentlichen Freiräume vom Investor übernommen werden.

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Westfassade des Frappant-Gebäudes an der Großen Bergstraße in Altona

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Typische Fassadengestaltung einer IKEA-Filiale

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Bestehende Zufahrten zum Parkhaus im Frappant-Gebäude

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Möbel-XXXL-Markt gegenüber der Wiener Stadthalle

Links zum Thema:

Planungsdiskurs / Hamburg:
Was wird aus dem Gängeviertel?

Das Gängeviertel: An der Caffamachereihe / Ecke Valentinskamp in der Hamburger Neustadt liegt ein etwa 5.000 m² großes Areal, mit mehreren weitgehend im Originalzustand befindlichen Altbauten. Die sind die Reste eines großen Gängeviertels, das sich einst vom Hafen bis weit in die Innenstadt erstreckte und aufgrund der hygienischen Zustände weitestgehend abgerissen wurde. Das verbliebene Areal wurde von einem holländischen Investor gekauft (wobei das noch nicht entgültig geklärt ist) und soll umgestaltet werden. Seit dem 22.08.2009 werden die Gebäude von einer Gruppe Künstlern besetzt, die eine Umgestaltung der zum großen Teil denkmalgeschützten Gebäudesubstanz verhindern wollen.
Weitere Kahlschlagssanierung: Eine weitere Kahlschlagssanierung, vergleichbar mit der Errichtung des Uni-Lever Hochhauses, wird es wohl nicht geben. Der holländische Investor hat vielmehr eine Umgestaltung in Anlehnung an die Hackeschen Höfe in Berlin anvisiert, wobei eine Nutzungsmischung aus Wohnen, Gewerbe und Kultur entstehen könnte. Die Künstlergruppe, die die Gebäude besetzt hält, befürchtet den Verlust großer Teile der historischen Bausubstanz, den Verlust günstigen innerstädtischen Wohnraums und den Verlust des besonderen Flairs.
Gängiger Weg: Wie geht man nun mit den historischen Gängen um? Der derzeitige Zustand in solch zentraler Lage jedenfalls ist nicht haltbar. In dieser Form sind die Gebäude wohl kaum ihrer Lage entsprechend nutzbar. Ein weiterer Rückbau der historischen Bausubstanz ist allerdings unbedingt zu vermeiden, da Hamburg bereits jetzt über wenige derartige Zeugnisse verfügt. Eine behutsame Sanierung (mit öffentlichen Mitteln) scheint hier angebracht, um eine gesunde und kreative Nutzungsmischung zu ermöglichen. Ein privater Investor wird hierauf wenig Rücksicht nehmen, sondern (logischerweise) einen möglichst gewinnträchtigen Nutzungsmix anstreben.
Update April 2010: Das Gezerre um das Gängeviertel scheint zu einem Ende zu kommen. Während die Künstler der BSU ein Nutzungskonzept vorlegen werden, will die Stadt Ihnen ein Angebot unterbreiten. Die städtische Stadtentwicklungsgesellschaft (steg) soll bei der Umsetzung der städtischen Forderungen sowie der Konzepte der Künstler unterstützend tätig werden. Ein privater Investor, wie bspw. Frank Otto, der zuletzt im Gespräch war und ein Konzept mit Nutzungsmischungen vorgelegt hatte, kommt nach derzeitigem Stand der Dinge eher nicht in Frage.
Am 09.04.2010 haben die Künstler ihr KOnzept für das Gängeviertel vorgestellt. Das Konzept sieht einen Wohnanteil von 60% vor, der weitere Bestand steht für Geschäfte und Ateliers zur Verfügung. Die Umsetzung des Konzeptes wird etwa 15 Mio. Euro kosten und wird von der BSU positiv bewertet. Ein von der Initiative "Komm in die Gänge" vorgelegter Fahplan trifft darüber hinaus Aussagen zu Umsetzung, Finanzierung und Bewirtschaftung.

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Historisches Foto aus dem Hamburger Gängeviertel (1893)

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Blick in einen der Hackeschen Höfe in Berlin

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Planungsdiskurs / Hamburg:
Diskussion um Gemeinschaftsstraßen

Shared Space?!: In sogenannten Gemeinschaftsstraßen wird der Verkehrsraum von allen Verkehrsteilnehmen gleichberechtigt genutzt und nicht durch Verkehrzeichen, Lichtsignalanlagen oder Fahrbahnmarkierungen geregelt. Hierduch soll der öffentliche Straßenraum lebenswerter und sicherer werden. Das Konzept wurde in den 1990ern entwickelt und wird heute an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt angewandt.
Planungen in Hamburg: Die Gemeinschaftsstraßen in Hamburg sind ein von der Politik zur Diskussion gebrachtes Thema, dass bisher in Großstädten nur äußerst selten zur Anwendung kam. So wurde auch zunächst ein Gutachten zu Anwendungsmöglichkeiten in Großstädten in Auftrag gegeben, das als Bewertungsgrundlage für die von den Bezirken vorgeschlagenen Verkehrsbereichen dienen soll. Das Gutachten ist auf hamburg.de abrufbar.
Von den Bezirken wurden bisher folgende Vorschläge eingereicht: 200m Teilabschnitt der Bahrenfelder Straße (Altona), Lange Reihe (Mitte), Weidenbaumsweg (Bergedorf), Neue Straße bzw. Striepenweg (Harburg), Osterstraße, Grindelhof oder Grelckstraße (Eimsbüttel), Mühlenkamp (Nord) sowie Kunaustraße, Ostpreußenplatz, Stormarnplatz oder Rahlstedter Bahnhofstraße (Wandsbek, die Planungen wurden inzwischen zurückgezogen).
Planungen in Hamburg (Update April 2010): Die zunächst sieben geplanten Projekte (in jedem Bezirk eine Gemeinschaftsstraße) sind inzwischen auf fünf Projekte geschrumpft. Die Umsetzung aller geplanten SharesSpace-Zonen wäre mit 20 Mio. Euro zu teuer geworden. Aus dem Bezirk Hamburg-Nord kam nun ein weiteres Argmunet gegen die Umsetzung aller fünf noch übrigen Projekte, das Geld sei für die Schlaglochreaparaturen nach dem harten Winter bedeutend wichtige und öffentliche Mittel daher anders zu verteilen.
Was ist zu erwarten?: In den bisherigen Shared-Space-Projekten sind sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht worden. So konnte das Erreichen des Ziels der Verkehrssicherheitserhöhung bisher noch nicht bestätigt werden. Im einzigen EU-Modellprojekt im niedersächsischen Bohmte sind die Unfallzahlen zunächst sogar deutlich gestiegen. In London hat ein shared-space-ähnlicher Bereich (Bordsteine und Fahrbahnmarkierungen wurden belassen) zu einem Unfallrückgang von 44% geführt.
Grundsätzlich bleibt wohl festzuhalten, dass dichter, großstädtischer Verkehr ohne ein Mindestmaß an Regeln nicht auskommen wird. Der Erfolg der Shared-Space-Projekte in Hamburg ist also wesentlich von der Rücksichtnahme ALLER Verkehrsteilnehmer abhängig und somit aufgrund der Verkehrsdichte eher fraglich. Setzen sich doch die stärken Verkehrsteilnehmer in aller Regel durch...

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Offizielles Hinweiszeichen auf einen Verkehrsbereich des EU-Projektes Shared Space

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Beispiel eines Shared Space in Hanen (Niederlande)

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